Umzug!

Liebe Nutzerinnen und Nutzer dieses Weblogs,

Das Weblog der Eßlinger Zeitung ist umgezogen. Sie finden es von nun an hier:

http://weblog.ez-online.de/

So sieht das neue Weblog aus.

Natürlich können Sie wie bisher in den bekannten Rubriken "Treffpunkt", "Aktuell" und "Weltweit" spannende Beiträge aus nah und fern lesen und kommentieren.

Wenn Sie Interesse haben, selbst Beiträge zu schreiben, melden Sie sich unter online.redaktion@ez-online.de.

Wir freuen uns auf einen regen Austausch!

Die Online-Redaktion der Eßlinger Zeitung!

 

>>> Zum neuen Weblog: http://weblog.ez-online.de/

 

Kehrwoche kostenpflichtig?

 

Straßenfeger: In der Esslinger Innanstadt bald nicht mehr anzutreffen?
Foto: dpa

Hausbesitzern und Mietern in der Innenstadt Esslingens drohen ab Sommer 2010 neue Belastungen: Die Stadt plant eine neue Satzung für die Kernzone. Mit ihr will sie die Kosten, die bei der Reinigung der Gehwege entstehen, auf die Anlieger übertragen. Sie verspricht sich von diesem Schritt über das Jahr gesehen eine zusätzliche Einnahme von 370 000 Euro. Dagegen regt sich Widerstand. Wie beurteilen Sie die Pläne?

Bitte kommentieren Sie!

Mir ist kalt - bei 39 Grad

Weiter ...

Finaly

Gestern war also der letzte harte Trainingstag der Saison (80 km Rad + 10 km lauf im 4:30er Schnitt)....wie es sein soll, sind die Beine nun schwer und müde und ich versuche mich diese Woche zu erholen, bevor die Taperphase beginnt. 

Als Trainingsfazit gilt: wieder einmal Glück gehabt mit der Herbstvorbereitung, das Wetter hat mitgespielt und ich habe mir dieses Jahr nichts gebrochen (wie letztes Jahr kurz vor Hawaii :-).

In Florida werde ich neben dem Saisoabschluss mein letztes Rennen für die TSG Reutlingen absolvieren. Nach 5 Jahren Zwischenspiel werde ich ab der 2010 wieder für meinen Heimatverein Nonplusultra Esslingen an den Start gehen. 

Mein bolivanisches Doppelleben

Freitagnacht, 22 Uhr, Innenstadt von Santa Cruz: Zusammen mit meiner Gastmutter bin ich bei Andrea, einer ihrer Freundinnen, eingeladen. Sie feiert ihren 43. Geburtstag. Alle Freundinnen kommen in ihren allradbetriebenen Autos an. Die Hausangestellte öffnet das Gitter vor dem Haus und zieht sich danach wieder in die Küche zurück. Sie ist außer mir die Einzige, die weder hohe Schuhe noch goldenen oder silbernen Schmuck trägt. Zudem ist die Hausangestellte die einzige Nicht-Weiße. Nein, nicht ganz. Auch ihre Tochter, die mithilft, sowie der Kellner und der DJ sind dunklerer Hautfarbe und schlicht gekleidet. Sie verrichten eifrig ihre Arbeit in der Küche oder im Innenhof. Dort haben sich inzwischen 30 Gäste versammelt. Es gibt teuren Alkohol, leckeres Essen, Halloweendekoration und Kerzen. Die Frauen essen, den Rest packen sie für ihre Hunde ein. Ich muss an das denken, was ich am Morgen erlebt habe.

Freitagmorgen, 7.30 Uhr: Santa Rita, ein kleines Dorf, 40 Minuten vom Zentrum von Santa Cruz entfernt. Hier befindet sich das Kinderdorf für ehemalige Straßenkinder, in dem ich montags bis freitags wohne und arbeite. Ich frühstücke mit den Mädchen meines Hauses. Es gibt Kakaopulver, mit Wasser gemischt, und zwei Brötchen. Freitags sind die leider immer hart, weil wir nur dienstags und samstags backen. Dafür gibt es Margarine - für eines der Brötchen. Die Mädchen kratzen sie mit den Fingern aus der Verpackung und verteilen sie auf den aufgeschnittenen Hälften. „Wer will Butterbrötchen?”, fragt Vanessa, eine von ihnen. Sie hofft, später in der Küche etwas Leckereres zu essen zu bekommen. Sofort werden ihr allerhand Tauschgeschäfte angeboten. Roxana, die ihr zuvor ihr Hähnchen vom Mittagessen versprochen hat, gewinnt und bekommt das Brötchen. Heute ist Ausflugstag in der Schule. Aber die Kinder des Kinderdorfes können nicht mit. Der Ausflug kostet drei Bolivianos (30 Cent) pro Kind. Das ist zu teuer.


Freitagabend, 23 Uhr: Immer noch auf der Party.

Die Frauen beginnen, sich über ihre Töchter zu unterhalten. Alle gehen sie auf Privatschulen - und natürlich sind sie gut in der Schule. Bald werden einige von ihnen studieren - Jura oder so etwas. Jetzt sind die Töchter gerade in der Disko, nachher müssen die Mütter sie abholen. „Später als ein Uhr darf sie nicht wegbleiben, meine 15-Jährige”, sagt eine Mutter - und gleich werden wertvolle Erziehungstips ausgetauscht. „Hat sie denn schon einen Freund?”, wird gefragt. Nein, so weit sei es noch nicht.


Freitagmorgen, 9 Uhr: Im Kinderdorf. Die 15-jährigen Mädchen des Kinderdorfes haben das Haus geputzt, ihre Kleidung gewaschen und gefrühstückt. Sie helfen jetzt in der Küche, danach haben sie Hausaufgabenbetreuung und Nähen, Backen oder Computeraufgaben. Nachmittags besuchen sie die Schule im Dorf. Sie wollen Ärztin werden - oder Tierärztin. Einige von ihnen sind mit Jungs des Kinderdorfes „zusammen”, allerdings bleibt das geheim, Pärchen sind verboten. Das diene zum einen der Werteerziehung, zum anderen dem Schutz der Mädchen, die auf der Straße durch Prostitution Geld verdient haben.

Freitagabend, 23.30 Uhr: Auf der Party. Die Geburtstagsgäste haben mich über meine Arbeit ausgefragt und finden sie „sehr wichtig”. Ob die Kinder dort lesen und schreiben könnten, fragt eine. Und ob sie sehr schwierig seien. „Nein”, sage ich und muss an die Kinder denken. Daran, wie sie mich begeistert begrüßen, wie sie umarmt werden wollen, mir Geschichten erzählen und mich über „mein Land” ausfragen. Wie stolz sie sind, wenn sie das schönste Kartonhaus für die Schule gebaut oder ihre Basketballspiele gewonnen haben. Und wie stolz ich dann auch bin. Dann erzähle ich den Frauen auf der Party, wie wir in die Kanäle der Stadt gehen, um die Straßenkinder, die dort wohnen, in ein Heim einzuladen. Ob das nicht zu gefährlich sei, fragt meine Gastmutter. Aggressiv seien die doch, hätten Waffen. Fast jede der Frauen ist schon einmal ausgeraubt worden. Für sie sind Straßenkinder bewaffnete, klebstoffschnüffelnde Wesen. Ich muss an meine Arbeit denken. Daran, wie sich die Jungs gefreut haben, als wir Brötchen brachten, mit ihnen sangen und redeten. Eine Frau war auch dabei. Sie war schwanger, betrunken und weinte ununterbrochen. Dürr war sie, würde in jeden dieser Geburtstagsgäste drei Mal reinpassen.

Freitagabend, 23 Uhr: Party: Auf der Party wird nun getanzt. Salsa, Reggaetón, Electro. "Meine” Mädchen im Dorf  tanzen auch unheimlich gerne. Sie kopieren Cheerleaderszenen aus Filmen und erfinden akrobatische Choreographien. Die Frauen der Party sind im Vergleich ziemlich ungelenkig und wenig ausdauernd,  bald machen wir ein Pause. Alle haben Durst und bekommen Getränke serviert.


Freitagmorgen, 9.30Uhr, im Kinderdorf: Getränke serviert bekommen wir in Santa Rita nicht, an jenem Freitagmorgen haben wir dafür  glücklicherweise Wasser. Manchmal gibt es einfach keines. Das ist ätzend, alles ist dann staubig und man kann sich kaum waschen, Zähne putzen oder  Geschirr spülen. Ausserdem bekommt man natürlich schrecklichen Durst in der Hitze. Einmal fiel es vier Tage aus. Wir hatten einige Tonnen voll Putzwasser, dieses Wasser konnte man aber nicht trinken. Alle Kinder waren durstig, erst nach langem Rumgezeter wurde Wasser gekauft. Da kamen dann alle Kinder angestürmt, und freuten sich, als sie ein bisschen davon abbekamen. 


Freitagnacht, 24 Uhr, auf der Party: Es gibt Torte, eine grosse, leckere Konditoreitorte im Halloweendesign. Die Kinder im Kinderdorf wuerden sich darum schlagen. Und das ist nicht symbolisch gemeint. Die Lieblingsdrohung der Kinder ist  "Ich werde dich verhauen”, wenn jemand weint, lautet die erste Frage: “Wer wars? Wer hat dich geschlagen?”  Manchmal gibt es Süßgkeiten. Allerdings muss man dann aufpassen, dass sie niemand der anderen Kinder klaut.

Samstagmorgen, 1.30 Uhr, in der Innenstadt von Santa Cruz: Wie andere Mütter holen auch meine Gastmutter und ich meine Gastschwester von der Disko ab. Viele Eltern warten hier mit laufenden Motoren auf ihre Söhne und Töchter, übers Handy befehlen sie ihnen, die Disko jetzt sofort zu verlassen.  Auch die Kinder in Santa Rita werden manchmal von ihren Eltern abgeholt. Dann verbringen sie das Wochenende mit ihnen. Oder die Eltern kommen sie besuchen. Elisabeth freut sich aber nicht, wenn ihr Papa kommt. Sie will das ihre Mama kommt, die kam noch nie. Oder ihre Oma. Mit ihr hat Elisabeth bis sie vier Jahre alt war viel Zeit verbracht, seit sechs Jahren wurde sie nicht mehr gesehen. Jetzt weiß sie gar nicht, wo ihre Oma hin ist. Vielleicht ist sie in einem anderen Land, sagt Elisabeth. Ihr Papa kommt dann mit einer anderen Frau zu Besuch. Die kann Elisabeth nicht ausstehen.

Samstagmorgen, 2 Uhr: Im Haus meiner Gasteltern. Ich lege mich im Haus meiner Gastfamilie schlafen. Kann lange nicht einschlafen und frage mich, wie es sein kann, dass in einem Land, in einer Stadt, zwei so unterschiedliche Welten existieren. Ja, ich bin wütend auf diese Party-Frauen. Obwohl sie nett waren und lustig. Wütend, weil der Wert von nur einem ihrer Ringe hundert Schulausflüge für alle Kinderdorfkinder ermöglichen würde. Wütend, weil sie ihr Hausmädchen „das Mädchen” nennen und sich so wenig für die andere Welt ihrer Stadt interessieren. Und dabei weiß ich, dass diese Wut ziemlich heuchlerisch ist und dass ich mich genauso über mich selbst und über die Menschen in Deutschland aufregen sollte. Wir leben auch im Luxus und wollen oft gar nicht zu viel über andere Lebensverhältnisse wissen - um ja kein schlechtes Gewissen zu bekommen.

 

Bin dann mal wieder unterwegs...

... so war das Motto von 2009:

 Triathlontechnisch habe ich so ziemlich viele interessante Länder bereist: Los ging es in China und da habe ich mir auch gleich die Quali für die WM geholt (leider funktionierte da der Blog nicht, aber wer mag findet auf meiner Homepage Reiseimpressionen). Dann folgten Bundesligarennen und Rennen in Sardinien und der Tschecheslowakei mit erneuter Quali für die Offroad WM in Hawaii (die ich aber dieses Jahr auslassen werde). Dann wieder Deutschland und Schweiz.... und im November folgt der Saisonabschluss in Florida -mit der WM über die Halbe Distanz. Bis dahin halte ich die EZ-Online Leserschaft gerne auf dem Laufenden.  Viel Spass beim Lesen :-)

 

 

 

 

 

 

"Ja, Bolivien. B O L I V I E N, liegt in Suedamerika..."

La Paz

 

Samstag, 10. Oktober 2009

10 271 Kilometer sind es von hier bis nach Esslingen. Jedenfalls, wenn man der Internetseite "koordinaten.de" Glauben schenkt. Waehrend der Grossteil meiner Mitabiturienten sich gerade auf das Studium vorbereitet, sitze ich hier in der Hitze von Santa Cruz, der groessten Stadt Boliviens, in einem Land, das den meisten Europaeern fremd ist. "Koka" wird vielleicht mancher denken, der Bolivien hoert - "Evo Morales" vielleicht diejenigen, die besser informiert sind. Doch Bolivien ist viel mehr ist als das. In den nächsten Monaten wird in diesem Blog immer wieder etwas dazu zu lesen sein - wenn mich das Internet nicht wieder im Stich lässt.

Beginnen moechte ich mit einigen Hintergrund-Informationen. Mit Antworten auf die Fragen wie so das geht, einfach mal durch die Welt fliegen und dafuer nicht mal viel zu bezahlen. Wie man sich vorbereitet und sich anfangs in einem so fernen Land fuehlt. Warum um alles in der Welt man ueberhaupt so weit fortfliegen sollte - das alles wird hier hoffentlich waehrend der naechsten Monate klar werden.


Das "Weltwaerts"-Programm

"Weltwaerts" ist ein Programm der Bundesregierung, das es jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 28 Jahren ermöglicht, sechs oder zwölf Monate in einem Entwicklungsland zu leben und ehrenamtlich zu arbeiten. Dieser Dienst kann auch als Zivildienstersatz geleistet werden. Der Freiwillige arbeitet hierbei in einem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit anerkannten Projekt. Dieses Projekt kann eine soziale Einrichtung oder ein Projekt im Bereich Bildung, Landwirtschaft oder Umwelt sein. Das kann die Mitarbeit in einem Kinderheim bedeuten, aber auch Aufklärungsarbeit mit Menschenrechtsorganisationen oder die Unterstützung eines Programmes zur Rettung des Regenwaldes.

Im Gastland wohnt der Freiwillige in einer Gastfamilie oder in einer WG mit anderen Freiwilligen.  Organisiert wird der Freiwilligendienst von einer Entsendeorganisation, das "Weltwaerts"-Programm zahlt den Großteil der Kosten für Unterhalt, Flug und Begleitprogramm wie Sprachkurse und Seminare. Die Entsendeorganisation kann dazu noch Spendengeld vom Freiwilligen erbitten. Auf Kindergeld hat der Freiwillige weiterhin Anspruch. Vorraussetzung für einen Dienst sind das Interesse an fremden Kulturen und Lebensverhältnissen in Entwicklungsländern und die Bereitschaft, sich in einem Projekt einzubringen und am Begleitprogramm der Organisation teilzunehmen. Weitere Vorraussetzungen sind eine abgeschlossene Berufsausbildung, Fachhochschulreife oder allgemeine Hochschulreife und die  Deutsche Staatsbürgerschaft oder ein entsprechendes Aufenthaltsrecht. Erwünscht ist darüber hinaus Bereitschaft zum entwicklungspolitischen Engagement auch nach dem Auslandseinsatz.

Weitere Informationen, eine Liste der Entsendeorganisationen und eine Projektbörse sind auf der Homepage www.weltwaerts.de zu finden.

 

Auf dem Weg zur Normalität

Dariusch besuchte die Linken

Von Dariusch Klett

Was ist die Linkspartei eigentlich für eine Partei? Wer sind ihre Mitglieder? Wenn man an einem Wahlkampfsamstag den Infostand der Linkspartei besucht, stellt man fest, dass die Mitglieder - wie bei den anderen Parteien auch - ganz normale Menschen sind, die für ihre Partei viel Zeit und Energie einsetzen. Nein, entgegen des insgeheim von misstrauischen Menschen gehegten Vorwurfs, wünsche sich niemand die Stasi zurück, sagt Reinhold Riedel, Vorsitzender des Esslinger Stadtverbandes der Linken. Die Demokratie abschaffen wolle man auch nicht.

Dennoch, so sagt der 60-Jährige, habe seine Partei in der Stadt immer noch Schwierigkeiten, sich Gehör zu verschaffen. Ein Beispiel: „Wir haben es nicht geschafft, die Liste für die Gemeinderatswahl voll zu bekommen. Manche Interessenten hatten Angst, Probleme auf der Arbeit zu bekommen“, erläutert Riedel.  Der Esslinger arbeitet schon lange politisch. Er war in der SPD, aus der er nach deren Zustimmung zum Nato-Doppelbeschluss ausgetreten ist. Dann wechselte er zu den Grünen. Doch als auch sich wandelten und die Realos die Oberhand gewannen, wechselte er zur Linken, die damals noch PDS hieß und die Nachfolgeorganisation der DDR-Staatspartei SED war.

In Esslingen gibt es bislang nicht so viele Mitglieder der Linkspartei – rund 30 Leute: Mehrheitlich sind sie ehemalige SPD-Mitglieder, Gewerkschafter, und dann sind da noch einige neue, die erst in den letzten Jahren dazugekommen sind.

 „Die Linkspartei hat Probleme, sich in Esslingen zu verankern“, versucht Riedel die Situation zu erklären. „Als wir den Ortsverein der PDS 1992 gegründet haben, wunderten sich die Leute, dass wir nicht sächseln oder gleich Russisch sprechen.

Heute gebe es diese Vorwürfe nicht mehr. Am Stand kommen Passanten vorbei und nehmen sich Broschüren, Flyer und Prospekte mit - wie bei den anderen Parteien auch.

Im Wahlblog berichtet die Jugendredaktion der Eßlinger Zeitung über ihre Eindrücke im Bundestagswahlkampf.

Ein Endlager in Judith Skudelnys Garten

Lisa Weiß war bei den Liberalen 

von Lisa Weiß

Judith Skudelny ist in die Politik gegangen, weil sie Spaß am Diskutieren hat. So steht es prominent auf ihrer Homepage. Deswegen also nicht zum Parteistand auf dem Marktplatz – denn dahin kommen nur die Parteianhänger. Oder die Leute, die einen Kuli abstauben wollen. Lieber zu einer Podiumsdiskussion, da ist mehr Diskussion zu erwarten.

Ein Abend unter der Woche, Kirchheim, in der Linde. Das Mehrgenerationenhaus und der Club Bastion haben zum Podium geladen. Der Saal ist voll, etwa 100 Leute sind gekommen. Ein bunt gemischtes Publikum, alle Altersklassen sind vertreten. Neben der 33 Jahre alten FDP-Bundestagskandidatin Skudelny sind noch die Konkurrenten von CDU, SPD, den Grünen und der Linken vertreten.

Skudelny, die zum ersten Mal für den Bundestag kandidiert,  ist die einzige Frau  an diesem Abend. Allein unter Männern. Es geht um die Themen Arbeitsmarkt, Jobs und Mindestlohn. Während die anderen Kandidaten eifrig referieren, macht sich Skudelny bedächtig Notizen. Sie ist als viertes an der Reihe. Mit leiser Stimme, aber bestimmt, äußert sich die Anwältin. Sie sagt: „ Neue Arbeitsplätze sollen von der Wirtschaft geschaffen werden.“ Deswegen muss die Politik die Wirtschaft stärken. Wie? Vermutlich durch Steuersenkung  - aber das sagt sie nicht. Viel Zeit hat sie auch nicht, denn nach 90 Sekunden trötet es bereits – Redezeitbegrenzung.

Skudelny  sagt auch, die bestehenden Regulierungen auf dem Arbeitsmarkt seien nicht schlecht. Sie will aber, dass der Staat mehr Vertrauen in die Firmen habe. Wenn die Firmen Vertrauen haben, dann würden sie auch wieder Leute einstellen. Beifall bei den FDP-Anhängern. Bei der Mehrzahl im Saal aber zweifelnde Gesichter. „Schlechte Arbeitslöhne können auch nicht durch Mindestlöhne verbessert werden“, sagt sie. Dafür bemüht sie das inzwischen schon berühmte Frisör- Beispiel. Sie rechnet vor: „Ein Frisör, der zehn Euro Mindestlohn bekommt, der wird auch nicht überleben können. Bei ihm kann sich dann nämlich niemand mehr einen Haarschnitt leisten.“
 
Zum Thema Atomstrom sagt sie: „Die Kraftwerke sollen weiterlaufen – wir haben bislang keine besseren Möglichkeiten, Energie zu gewinnen.“ Der Staat soll Ziele aufzeigen - und nicht den Weg vorgeben. Die regenerativen Energien sollen sich von selbst entwickeln, nicht auf Druck des Staates. Und was ist mit der Atomenergie? Fördert der Staat diese denn nicht? Ein Jugendlicher aus dem Publikum fragt: „Was ist, wenn ich keinen Atomstrom haben möchte? Wenn die FDP für das Weiterlaufen der Atomkraftwerke ist, dann werde ich ja dazu gezwungen, weiterhin Atomstrom zu beziehen.“  Er will lieber, dass mehr Geld in regenerative Energien investiert wird. Außerdem sei die Endlagerfrage nach wie vor nicht geklärt.


Der Jugendliche will den nachfolgenden Generationen, die wahrscheinlich gar keine Atomenergie mehr beziehen, das Problem der Endlagerung nicht aufhalsen. Darauf antwortet Skudelny, dass die Endlagerfrage ja schon bestehe.  Allgemeines Kopfnicken auf dem Podium . Sie führt aber weiter aus: „Es macht ja kaum Unterschied, ob wir nun soviel oder soviel Atommüll haben. Endlager bleibt Endlager, egal wie viel dort dann gelagert wird.“
Daraufhin fragt ein Mann aus dem Publikum, ob sie sich nicht mehr an Tschernobyl und die Folgen erinnere. Seine Kinder konnten wochenlang nicht mehr auf den Spielplatz gehen. Doch, sagt Skudelny, sie war damals elf Jahre alt und konnte nicht mehr auf den Pferdehof zum Reiten. Sie führt weiter aus: „Der Preis für Atomenergie ist nun einmal der Atommüll und die Endlagerfrage. Diesen Preis muss man akzeptieren, wenn man verlässlich Strom haben möchte.“

Darauf folgt ein Zwischenruf aus dem Publikum. Ob sie denn ein Endlager in ihrem Garten haben möchte? Darauf antwortet die FDP-Kandidatin: „Wenn das die Quittung für Atomstrom ist, dann werde ich mein Haus auch auf einem Endlager bauen.“

Im Wahlblog berichtet die Jugendredaktion der Eßlinger Zeitung über ihre Eindrücke im Bundestagswahlkampf.

Ein Abend mit der Kanzlerin

 Sina bei der Kanzlerin

Von Sina Österreicher

Wo unter der Woche sonst Obst- und Gemüsestände aufgebaut sind, stehen an diesem Abend mehr als 5000 Menschen. Sie alle warten auf dem Stuttgarter Marktplatz auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Ein riesiger CDU-Luftballon schwebt leuchtend über allen – natürlich in Orange.  So wie überhaupt der ganze Platz an diesem Abend in Orange getaucht ist. Orangene Fahnen, T-Shirts und Plakate – egal, wo man hinsieht, unterbrochen nur von ein paar grünen Tupfen: Auf dem Dach des Kaufhauses Breuninger sowie auf dem Balkon des Rathauses stehen Polizisten und beobachten mit Ferngläsern die Zuschauer.

Um kurz nach 19.30 Uhr betritt die mächtigste Frau Deutschlands dann die Bühne. Bevor sie ihre Rede hält, hat noch Günther Oettinger das Wort: Er wünscht dem VFB Stuttgart viel Erfolg in der Champions League. Nachdem das wichtige Thema Fußball dann abgehandelt  ist,  sagt Oettinger noch, dass die CDU um „ jede Stimme kämpfen werde“, begrüßt auch die unters orangefarbene Publikum gemischten Mitglieder der Piratenpartei, die lauthals buhen. Und dann überlässt er das Rednerpult der Kanzlerin – mit der in jüngster Vergangenheit ein nicht ganz so gutes Verhältnis hatte. Aber das merkt man jetzt natürlich nicht.

Wer an diesem Abend gekommen ist, um politische Aussagen oder etwas über die Zukunft Deutschlands,  der Region Stuttgart oder Baden-Württembergs zu erfahren, der ist fehl am Platze. Zwar sind auch Karin Maag und Stefan Kaufmann, die beiden Wahlkreiskandidaten für Stuttgart quasi als Vorgruppe aufgetreten – doch beide reden nur kurz und bleiben unpräzise. Vielleicht sagt die Kanzlerin ja mehr?

Merkel vertieft sich auf dem Podium in die Entstehung und die Schuldfrage der Finanzkrise. Sie lobt die soziale Marktwirtschaft und sagt, dass durch Wachstum neue Arbeitsplätze entstünden und dass der Staat sowohl kleinen als auch großen Unternehmen helfen werde. Klingt alles nett - aber neu ist das nicht. Und Merkel erklärt nicht, wie sie das Wachstum denn anfachen möchte. Durch eine noch höhere Staatsverschuldung?

Die Kanzlerin betont außerdem, wie wichtig es ist, die Forschung zu fördern. Mensch, da blitzt  doch plötzlich noch ein Bezug zu Baden-Württemberg auf. In Karlsruhe, so Merkel, sei es gelungen, die Universität mit dem Forschungszentrum zu verbinden. Ein Beispiel, das auch in anderen Teilen Deutschlands verwirklicht werden soll. Beim Thema Bildung lobt Merkel Baden-Württemberg, denn bei der Pisa-Studie hat der Südwesten gut abgeschnitten. Dann sagt sie noch, dass die CDU in Deutschland ein Bildungsangebot für jeden fordert. Merkwürdig, sie ist doch an der Regierung, hätte sie doch schon machen können. Stärken sollen gestärkt werden und Schwächen sollen zu Stärken werden, sagt Merkel weiter. Desweiteren seien Integration und Berufsbildung in Schulen unerlässlich.

Nach ungefähr einer halben Stunde beendet Merkel ihre Rede mit einem Rückblick in die Geschichte Deutschlands – das macht sie überhaupt oft an diesem Abend – und ruft die Bürger auf, am 27. September wählen zu gehen. Jeder der wählen gehe, schreibe ein Stück Geschichte, sagt die Kanzlerin.

Wirklich schlauer ist man nach der Wahlveranstaltung nicht. Man hat einen Zusammenschnitt dessen gehört, was seit Wochen in allen Medien angesprochen wird: Mehr Geld für Bildung, mehr Rückhalt für die Wirtschaft – und so schlecht sieht alles trotz Krise doch gar nicht aus.

Besondere Vorkommnisse? Keine. Es gab keine Seitenhiebe gegen die Opposition, Merkel beteuert, eine schwarz-gelbe Koalition zu wollen. Klare Aussagen? Gab es auch nicht. Vielleicht war das auch ein Grund dafür, dass sich der Applaus der Zuschauer während der ganzen Veranstaltung in Grenzen hielt. Buh-Rufe und Pfiffe seitens der Linksjugend und der Piratenpartei übertönten oft den Beifall der CDU- Anhänger. Ach ja, am Ende flogen noch zwei Wasserbomben, die die Bühne jedoch nicht ganz erreichten.

Im Wahlblog berichtet die Jugendredaktion der Eßlinger Zeitung über ihre Eindrücke im Bundestagswahlkampf.

 

Beiträge 1 - 10 / 141