Ankunft
Steigt man nach einer 30-stuendigen Reise aus dem Flugzeug, so ist das ein seltsames Gefuehl. Man weiss, dass man nun sehr weit fort ist vom zu Hause. Weiter, als man es je war. Weiter, als vielleicht saemtliche Vorfahren. In einem Land, von dessen Existenz man vielleicht bis vor kurzem nur eine vage Ahnung hatte. Und man wird ganz zittrig, von der fremden Luft, den neuen Bildern und der Gewissheit, dass man hier ein Jahr leben wird. 52 Wochen, 365 Tage, in denen man diesem Land nahekommen wird. Durch seine Strassen spazieren, seine Berge besteigen und seine Hitze aushalten wird. Seine Sitten und Braeuche kennenlernen, hier unter all den Menschen leben und arbeiten und dieses Land und seine Menschen lieben lernen wird.
Die erste Begegnung mit einer bolivianischen Stadt mache ich als Bolivienfreiwillige in La Paz, dem Regierungssitz, einer Stadt auf ueber 3800 Metern Höhe. Und da steht man dann als ordnungsgewohnter Deutscher. Zwischen Haeusern, Autos, Bergen. Umher hupt, schreit, quietscht und klappert es. Man steht da und staunt. Ueber die meterhohen Berge Bananen, Papayas, Kartoffeln und Ananas auf den Strassenmaerkten. Ueber die Frauen, die in ihren vielen Roecken und mit einem Baby auf dem Ruecken Fleisch und Empanadas braten und verkaufen. Ueber den Schuhmacher, der vor einem Feuerchen sitzt, eine Sohle annaeht und sich dabei lachend mit seinem Kumpl unterhält. Neben einem Holzstand, sitzt er, auf dem er mehr als 1000 BHs verkauft werden und neben einem anderen voll mit Suessigkeiten, verpackt in den schrillsten Farben. Auf dem Boden ein Maedchen, das Schmuck verkauft. Davor eine Rikscha mit frischgepressten Saeften. VIVA EVO, es lebe Evo, verkuendet die Haeuserwand im Hintergrund. Zwei Waende weiter steht EVO ASESINA, Evo mordet. Die Bolivianer scheinen ihrem Präsidenten allerhand zuzutrauen. Unmengen von Taxis, klapprige Kleinbusse, vollgeladene Lastwagen. Ein Esel mit einem Wagen voll Zuckerrohr. Einer entlädt sein Auto und hält dafür mitten auf der Strasse. Und wieder wird gehupt, geflucht, gelacht. Auf der anderen Strassenseite marschieren ein Paramilitärs, kleine Männer mit Schlagstöcken und grünen Uniformen.
Und mittendrin steht man selbst. Freut sich ueber das Chaos, ueber die Menschen, ueber die Berge und das Leben. Und ist gespannt, was einen wohl in diesem Land erwartet.


