Matthias sieht rot(h)
Von Matthias Messerle
Karin Roth, SPD-Wahlkreiskandidatin für Esslingen, kommt pünktlich. Gut 20 Senioren haben sich trotz schönen Sommerwetters auf Initiative der AG 60 Plus eingefunden, um der Sozialdemokratin zuzuhören und anschließend Fragen zu stellen. Dass hier größtenteils eingefleischte SPD-Anhänger bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen, wird schnell klar: Jeder einzelne wird persönlich begrüßt, einige kennt Roth gar namentlich. Ihr Ziel an diesem Nachmittag: Die Besucher für die Wahl zu mobilisieren. Denn es ist entscheidend, dass SPD-Sympathisanten am 27. September den Gang zur Urne auch tatsächlich antreten.
Obwohl nur ältere Bürger da sind - inhaltlich ist es keine typische Senioren-Veranstaltung, das belegt die Themenwahl: Es geht um Bildung, Arbeit und Umweltschutz. Von Rentenerhöhungen hingegen wird kaum gesprochen.
Roth beginnt mit der Finanzkrise. Das Thema müsse weiterhin auf der Tagesordnung bleiben, sagt sie. Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung sei eben „noch nicht alles geklärt.“ Sie spricht von Spareinlagen, von Bad Banks und plädiert für staatliche Regulierung. Zustimmung unter den Besuchern. Das Thema Arbeit verknüpft Karin Roth mit Umweltschutz und Energieeffizienz. „Wenn wir verstärkt auf alternative Energiequellen setzen, werden neue Arbeitsplätze geschaffen.“ Das klingt vertraut. Genauso wie die Sache mit dem Atomausstieg. Der sei für die SPD nicht nur „Papperlapap“.
Dann tut Karin Roth etwas für das S im Parteinamen. „Der Dienst am Menschen wird immer wichtiger“, sagt sie und verweist auf die demografische Entwicklung in Deutschland. Auch in dieser Branche könnten viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Warum kommt an dieser Stelle das Thema Mindestlohn nicht zur Sprache?
Beim Thema Bildung zeigen die alten Menschen Einsatz: „Unmöglich“ schimpft eine Dame, als Karin Roth auf eine OECD-Studie zu sprechen kommt, wonach Deutschland zu den Ländern gehört, die am wenigsten Geld für Bildung ausgeben. Die SPD will kostenlose Bildung für alle erreichen und dafür eine zweiprozentige Bildungssteuer für Spitzenverdiener einführen. Dass dies funktioniere, zeige dass Beispiel Rheinland-Pfalz, sagt Roth. Dort gebe es unter einer sozialliberalen Koalition keine Studiengebühren. Dafür ist der Semesterbeitrag dort vergleichsweise hoch, aber das erwähnt Karin Roth nicht.
Auf persönliche Attacken gegen die politische Konkurrenz verzichtet Roth an diesem Nachmittag.
Allerdings wendet sie sich gegen die Steuersenkungspläne von Schwarz-Gelb. Wer solche Versprechen mache, habe keinen Respekt vor den Wählern. Mit der SPD werde es keine Steuersenkungen geben.
Dann die Fragestunde. Es geht um Ärztehonorare, um G8, die Wehrpflicht und um die zu großen Gruppen in den Kindergärten. Manch einer Meinung widerspricht Roth. Eine Dame bezeichnet das Beamtentum als den „Tod des Landes“, woraufhin Roth feststellt: „Nein, wir leben doch noch.“
Einigkeit besteht zumindest in der Uneinigkeit mit der CDU. Karin Roth nennt es „die Kunst der Konservativen“, den Leuten Wohlstand und Beständigkeit zu suggerieren. Ein Besucher kritisiert die „Wohlstandsgesellschaft“, die sich von der CDU einlullen lasse. Diese Wähler brauchen scheinbar keine Mobilisierung, mehr.
Am Ende gibt es artigen Applaus. Karin Roth bekommt einen Esslinger Sekt überreicht. „Den werden wir am 27. September köpfen“, verspricht sie. Dann muss sie schnell weiter zur nächsten Wahlkampfveranstaltung, zum mobilisieren. Frustsaufen nach der Bundestagswahl will man bei der SPD nämlich nicht.
Im Wahlblog berichtet die Jugendredaktion der Eßlinger Zeitung über ihre Eindrücke im Bundestagswahlkampf.








