Matthias sieht rot(h)

Matthias war bei der SPD

Von Matthias Messerle

Karin Roth, SPD-Wahlkreiskandidatin für Esslingen, kommt pünktlich. Gut 20 Senioren haben sich trotz schönen Sommerwetters auf Initiative der AG 60 Plus eingefunden, um der Sozialdemokratin zuzuhören und anschließend Fragen zu stellen. Dass hier größtenteils eingefleischte SPD-Anhänger bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen, wird schnell klar: Jeder einzelne wird persönlich begrüßt, einige kennt Roth gar namentlich. Ihr Ziel an diesem Nachmittag: Die Besucher für die Wahl zu mobilisieren. Denn es ist entscheidend, dass SPD-Sympathisanten am 27. September den Gang zur Urne auch tatsächlich antreten.

Obwohl nur ältere Bürger da sind - inhaltlich ist es keine typische Senioren-Veranstaltung, das belegt die Themenwahl: Es geht um Bildung, Arbeit und Umweltschutz. Von Rentenerhöhungen hingegen wird kaum gesprochen.

Roth beginnt mit der Finanzkrise. Das Thema müsse weiterhin auf der Tagesordnung bleiben, sagt sie. Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung sei eben „noch nicht alles geklärt.“ Sie spricht von Spareinlagen, von Bad Banks und plädiert für staatliche Regulierung. Zustimmung unter den Besuchern. Das Thema Arbeit verknüpft Karin Roth mit Umweltschutz und Energieeffizienz. „Wenn wir verstärkt auf alternative Energiequellen setzen, werden neue Arbeitsplätze geschaffen.“ Das klingt vertraut. Genauso wie die Sache mit dem Atomausstieg. Der sei für die SPD nicht nur „Papperlapap“.
Dann tut Karin Roth etwas für das S im Parteinamen. „Der Dienst am Menschen wird immer wichtiger“, sagt sie und verweist auf die demografische Entwicklung in Deutschland. Auch in dieser Branche könnten viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Warum kommt an dieser Stelle das Thema Mindestlohn nicht zur Sprache?

Beim Thema Bildung zeigen die alten Menschen Einsatz: „Unmöglich“ schimpft eine Dame, als Karin Roth auf eine OECD-Studie zu sprechen kommt, wonach Deutschland zu den Ländern gehört, die am wenigsten Geld für Bildung ausgeben. Die SPD will kostenlose Bildung für alle erreichen und dafür eine zweiprozentige Bildungssteuer für Spitzenverdiener einführen. Dass dies funktioniere, zeige dass Beispiel Rheinland-Pfalz, sagt Roth. Dort gebe es unter einer sozialliberalen Koalition keine Studiengebühren.  Dafür ist der Semesterbeitrag dort vergleichsweise hoch, aber das erwähnt Karin Roth nicht.

Auf persönliche Attacken gegen die politische Konkurrenz verzichtet Roth an diesem Nachmittag.
Allerdings wendet sie sich gegen die Steuersenkungspläne von Schwarz-Gelb. Wer solche Versprechen mache, habe keinen Respekt vor den Wählern. Mit der SPD werde es keine Steuersenkungen geben.


Dann die Fragestunde. Es geht um Ärztehonorare, um G8, die Wehrpflicht und um die zu großen Gruppen in den Kindergärten. Manch einer Meinung widerspricht Roth. Eine Dame bezeichnet das Beamtentum als den „Tod des Landes“, woraufhin Roth feststellt: „Nein, wir leben doch noch.“
Einigkeit besteht zumindest in der Uneinigkeit mit der CDU. Karin Roth nennt es „die Kunst der Konservativen“, den Leuten Wohlstand und Beständigkeit zu suggerieren. Ein Besucher kritisiert die „Wohlstandsgesellschaft“, die sich von der CDU einlullen lasse. Diese Wähler brauchen scheinbar keine Mobilisierung,  mehr.

Am Ende gibt es artigen Applaus. Karin Roth bekommt einen Esslinger Sekt überreicht. „Den werden wir am 27. September  köpfen“, verspricht sie. Dann muss sie schnell weiter zur nächsten Wahlkampfveranstaltung, zum mobilisieren.  Frustsaufen nach der Bundestagswahl will man bei der SPD nämlich nicht.

Im Wahlblog berichtet die Jugendredaktion der Eßlinger Zeitung über ihre Eindrücke im Bundestagswahlkampf.

 

 

Piratenbraut für einen Abend

Katrin Wittmann - Der Schrecken der Meere 

Am Samstag war es soweit: Ich habe mir endlich einen Kindheitstraum erfüllt und bin unter die Piraten gegangen! Und zwar mitten in Esslingen, in einem Lokal am Rossmarkt. Dort trifft sich die Piraten-Partei unter der Leitung von Eric Kuch, einem Mittdreißiger, alle zwei Wochen zum Stammtisch. Am Samstag haben sich ungefähr zwanzig junge Piraten, zumeist Studenten, in einer gemütlichen Runde versammelt, um sich mal wieder über die Starrheit und den Egoismus der Politiker auszulassen. Sie sind nämlich der Meinung, dass die Politiker nicht diskutieren, sondern nur ihre Meinung durchsetzen und bestimmen wollen. Gleichzeitig versuchen die Esslinger Piraten auch, ihre eigene Partei besser zu organisieren. Denn während viele Parteien Mitglieder verlieren, können die Piraten sich kaum noch auf dem Schiff halten. Weil die neuen Piraten aber aus den verschiedensten Schichten der Gesellschaft kommen, ist es gar nicht mal so leicht, ein gemeinsames Wahlprogramm zu erstellen. Dennoch wollen die Piraten so viel wie möglich entern und kentern.

Anfang 2006 nahmen die Piraten von Schweden aus Kurs auf. Sie wurden als Protestbewegung gegen die Kriminalisierung von Jugendlichen gegründet. Der Name entstand aus dem Begriff „Musikpiraten“, der bei dieser Bewegung immer wieder fiel.
In Deutschland wurde die Piratenpartei erst durch den Chaos-Computer-Club, einer deutschen Vereinigung von Hackern, populär. Seitdem wächst die Zahl der Parteimitglieder fast explosionsartig. Auch die Esslinger Piraten werden sich wohl bald einen neuen Treffpunkt suchen müssen.

Auf den Wahlplakaten fordert die Piratenpartei einen transparenteren Staat. ein Beispiel: Bürger sollen sich über die Nebeneinkünfte und –tätigkeiten von Amts- und Mandatsträgern jederzeit informieren können. Sie wollen somit erreichen, dass der Bürger die Seriösität eines Politikers besser beurteilen kann. Denn derzeit sei es eher andersherum: Politiker sind undurchsichtig und der Bürger ist gläsern. Viele Daten werden bis zu sechs Monaten gespeichert, in der Öffentlichkeit überwachen Kameras das geschehen. Was aber machen die Piraten, wenn sie selbst in die Parlamente einziehen sollten? Dann müssten sie als Politiker ja das tun, was ihnen als Bürger missfällt - nämlich vieles über sich offen legen. Naja, vielleicht sehen sie sich ja noch gar nicht so sehr als Politiker.


Vorsicht sei ja ok, sagen die Piraten: Aber es sei nicht ok, alle des Terrorismus zu verdächtigen, meinen die Piraten. Sie fordern, dass die Bürger mehr mitentscheiden dürfen, vor allem auf Bundesebene: Mehr direkte Demokratie, mehr Volksentscheide. Löst das nicht ein Riesenchaos aus, wenn jeder zu allem seine Meinung abgibt? Das findet Eric Kuch nicht. „In Schweiz klappt das ja auch. In Deutschland dagegen bewegt man selbst mit einer Petition von 100 000 Bürgern nichts. Nun, Schweiz hat aber auch nur etwa 7 Millionen Einwohner, Deutschland 80 Millionen, ein kleiner Unterschied

Der Erfolg der Partei, glaubt Kuch, liege in der Macht des Internets. Ob bei Google oder schülerVZ, die Piraten sind überall. Wahlkampf per Internet erreicht viele junge Wähler, ist kostenlos und spart das Plakate kleben. Doch werden die Piraten eben wegen dieser Computer-Bezogenheit auf der Straße oft mit Sprüchen wie: „Euch gibt’s ja wirklich!“ begrüßt. Dabei sehen sich die selbsternannten „PC-Freaks“ als die einzige Lösung für Protestwähler, die weder links noch rechts denken.

Vielleicht lässt sich so ja die große Resonanz bei jungen Bürgern erklären. Ich jedenfalls habe diesen Stammtisch erfolgreich geentert und bin auch mit heiler Haut und vielen neuen Eindrücken wieder im Heimathafen angekommen.

Im Wahlblog berichtet die Jugendredaktion der Eßlinger Zeitung über ihre Eindrücke im Bundestagswahlkampf.

Grüner Wind soll Esslingen erfrischen

Caro bei den Grünen

 

Von Caro Sokele

Esslingen - Unglaublich heiß ist es auf der Wahlkampfveranstaltung der Grünen am Schelztor. Sie beginnt mit ein paar Minuten Verspätung. Man wartet auf  Cem Özdemir, den Bundesvorsitzenden der Ökopartei und Andrea Lindlohr, Wahlkreiskandidatin der Grünen für Esslingen. Jugendliche sind da, junge Familien, eben solche, die leicht als Grünen-Wähler durchgehen. Aber auch ältere Leute da – von denen man das nicht sofort annehmen muss. Schwitzen für die Wahlkampfparolen? Eine leichte Brise macht die Veranstaltung erträglich. Dies greift Andrea Lindlohr in ihrer Einleitung auf. Frischer Wind in Deutschland - dafür wollen die Grünen sorgen.

Zusammen mit Özdemir sitzt die 34-Jährige auf einer - wer hätte es gedacht - grünen Bank auf der Agnesbrücke. Neben den beiden steht ein bepflanzter Blumenkübel, im Hintergrund hohe Bäume und das kleine Neckerwehr. Bei so einer passenden Kulisse stören die wenigen vorbeifahrenden Autos kaum mehr.  Auch die Wahlkampfrede von Cem Özdemir stören sie kaum. Der kommt nämlich schnell in Fahrt.

Die Umwelt  ist nicht das allbeherrschende Thema. Zuerst redet Özdemir von der Bildungspolitik. Die Grünen sind gegen das dreigliedrige Schulsystem und plädieren für eine weiterführende Schule, auf die alle Schüler gehen sollen. Ist Bildungspolitik nicht eigentlich Ländersache – und er kandidiert doch für den Bundestag?  Aber das Thema kommt sehr gut an, denn es liegt nicht nur den anwesenden Eltern, sondern auch den zahlreichen Jugendlichen am Herz. Özdemir  untermalt es mit ein paar persönlichen Schilderungen aus seiner eigenen Schulzeit. Das, was er erlebt hat, lässt seine Forderungen nach Hausaufgaben-Betreuung und Ganztagsschulen schlüssig klingen. Dazwischen ein paar  Kommentare gegen die „Kollegen“, wie der Grüne die politische Konkurrenz benennt. „ Das Merkel noch keinen richtigen Wahlkampf betreibt,  ist wochenlange Arbeitsverweigerung“,  sagt Özdemir. So geht Wahlkampf  und das gefällt dem Publikum.

Dann ein Schlag gegen die FDP. Er wendet sich gegen die Steuersenkungspläne der Liberalen. Die Grünen wollen keine Steuersenkung solange der Haushalt nicht saniert ist - und in Bildung und Umweltschutz investiert werden müsse. Dann holt er zum Angriff gegen die Regierung aus. Die Abwrackprämie sei Mist. Im Anschluss kommt  Özedmir auch schon auf umweltschonende Autos zu sprechen. Ob er selber mit so einem gekommen ist? Mit der Bahn scheint er sich zumindest hier nicht auf Wahlkampftour zu befinden, denn er kam aus Richtung der Agnes-Promenade. Der Bahnhof  in Esslingen befindet sich aber in der genau entgegengesetzten Richtung.

Die Stunde mit Cem Özdemir geht schnell rum. Dennoch bietet Özdemir jedem –trotz Terminstress-  die Gelegenheit, zu fragen. Egal, ob es um Stuttgart 21 oder um Ausländerpolitik geht. Und natürlich vergisst er nicht, in eigener Sache zu werben: „Die Stimmung bei den Grünen nach den drei Landtagswahlen sei guad- sogar sau guad!“ Ein letzter Appell an die Wähler, ihre Stimme auch zu nutzen - und schon ist er auch wieder weg.

Cem Özdemir hat an diesem Nachmittag bestimmt viele Wähler mobilisiert. Eine leichte Brise ist ihm sicher, aber vielleicht reicht es auch für einen grünen Sturm im Bundestag.  Aber: In Esslingen kann man ihn nicht wählen, da sein Wahlbezirk Stuttgart-1 ist. Hier in Esslingen tritt Andrea Lindlohr an. Und von ihr weiß man leider immer noch nicht viel.

 

Im Wahlblog berichtet die Jugendredaktion der Eßlinger Zeitung über ihre Eindrücke im Bundestagswahlkampf.

Die Jugendredaktion bloggt

Die Qual der Wahl: Wen sollen wir wählen am 27. September? Die Jugendredaktion der Eßlinger Zeitung nimmt Politiker und Parteien unter die Lupe.

Ankunft

Samstag, 22. August 2009

 

 

Steigt man nach einer 30-stuendigen Reise aus dem Flugzeug, so ist das ein seltsames Gefuehl. Man weiss, dass man nun sehr weit fort ist vom zu Hause. Weiter, als man es je war. Weiter, als vielleicht saemtliche Vorfahren. In einem Land, von dessen Existenz man vielleicht bis vor kurzem nur eine vage Ahnung hatte. Und man wird ganz zittrig, von der fremden Luft, den neuen Bildern und der Gewissheit, dass man hier ein Jahr leben wird. 52 Wochen, 365 Tage, in denen man diesem Land nahekommen wird. Durch seine Strassen spazieren, seine Berge besteigen und seine Hitze aushalten wird. Seine Sitten und Braeuche kennenlernen, hier unter all den Menschen leben und arbeiten und dieses Land und seine Menschen lieben lernen wird.

 

 

Die erste Begegnung mit einer bolivianischen Stadt mache ich als Bolivienfreiwillige in La Paz, dem Regierungssitz, einer Stadt auf ueber 3800 Metern Höhe. Und da steht man dann als ordnungsgewohnter Deutscher. Zwischen Haeusern, Autos, Bergen. Umher hupt, schreit, quietscht und klappert es. Man steht da und staunt. Ueber die meterhohen Berge Bananen, Papayas, Kartoffeln und Ananas auf den Strassenmaerkten. Ueber die Frauen, die in ihren vielen Roecken und mit einem Baby auf dem Ruecken Fleisch und Empanadas braten und verkaufen. Ueber den Schuhmacher, der vor einem Feuerchen sitzt, eine Sohle annaeht und sich dabei lachend mit seinem Kumpl unterhält. Neben einem Holzstand, sitzt er, auf dem er mehr als 1000 BHs verkauft werden und  neben einem anderen voll  mit Suessigkeiten, verpackt in den schrillsten Farben. Auf dem Boden ein Maedchen, das Schmuck verkauft. Davor eine Rikscha mit frischgepressten Saeften. VIVA EVO, es lebe Evo, verkuendet die Haeuserwand im Hintergrund. Zwei Waende  weiter steht EVO ASESINA, Evo mordet. Die Bolivianer scheinen ihrem Präsidenten allerhand zuzutrauen. Unmengen von Taxis, klapprige Kleinbusse, vollgeladene Lastwagen. Ein Esel mit einem Wagen voll Zuckerrohr. Einer entlädt sein Auto und hält dafür mitten auf der Strasse. Und wieder wird gehupt, geflucht, gelacht. Auf der anderen Strassenseite marschieren ein Paramilitärs, kleine Männer mit Schlagstöcken und grünen Uniformen.

 

 

Und mittendrin steht man selbst. Freut sich ueber das Chaos, ueber die Menschen, ueber die Berge und das Leben. Und ist gespannt, was einen wohl in diesem Land erwartet.

 

 

Vorbereitungen

Dienstag, 11. August 2009

Eigentlich ist es nicht besonders schwierig, einen Freiwilligendienst im Ausland zu absolvieren.  Unzaehlige Organisationen bieten FSJs oder Zivi-Stellen im Ausland an, viele davon werden durch Regierungsgelder unterstuetzt, wie etwa das "Weltwaerts"-Programm. Trotzdem muss man zu einigen Anstrengungen bereit sein, um tatsaechlich eines Tages in dem ertraeumten Land anzukommen.

Ein Jahr vor der geplanten Abreise sollte man beginnen, sich zu informieren. Für mein Programm habe ich mich im vergangenen Herbst beworben. Auf knapp 30 Seiten habe ich im Bewerbungsschreiben dafuer meine Ansichten ueber die Welt erlaeutert, meine geheimsten Wuensche und Hoffnungen offenbart und meine besten Absichten erklaert. Von Lehrern, Vorgesetzten oder sonstigen Persoenlichkeiten habe ich mir geschwollene Referenzen schreiben lassen und hoffte damit, die Organisation ueberzeugen zu koennen.

Voller Freude holte ich ein para Monate spaeter die Zusage aus dem Briefkasten und nahm dann auch schon Anfang dieses Jahres am ersten Seminar teil. Diese Seminare werden mich bis Ende des Freiwilligendienstes begleiten. Auf einigen von ihnen haben wir bislang witzige bis alberne Spiele gespielt - und wurden nebenbei ueber saemtliche Themen informiert, die für einen Europaeer in entwicklungsländern von Belang sein koennen. Ich habe an heissen Diskussionen teilgenommen und jede Menge coole Leute kennengelernt.

Danach habe ich meinen Arzt konsultiert, bei dem ich in den folgenden Monaten zum Stammkunden  geworden bin, da ich mich gegen saemtliche denknbaren gefaehrlichen Krankheiten impfen lassen musste. Vollgepumpt mit Chemikalien und um einige Euro leichter, hoffe ich nun einige Monate spaeter, im Gastland gesund zu bleiben.  Nächster Punkt auf der Liste: Der Visumsantrag. Leider aendert sich das Antragsverfahren alle paar Monate, sodass ich manchmal an den Rand meiner Fassung gebracht wurde, besonders nach Telefonaten mit der Dame vom Konsulat. Doch tapfer ließ ich mich mit Verbrechermiene fotografieren und beantragte einen Reisepass. Dann kuemmerte ich mich um ein Schreiben der Organisation. Und dann um eines der Partnerorganisation in Bolivien. Dann telefonierte ich erneut mit der Konsulardame. Und unzaehlige Male mit der Stadtverwaltung, bis endlich, endlich, fuer den uebertrieben Geldbetrag von elf Euro, auch das polizeiliche Fuehrungszeugnis da war. auf dem uebrigens nichts Weiter als ein schlichtes “Keine Eintragung” steht.  Weiter gehts: Ich bescheinige meine Gelbfieberimpfung , kuemmere mich um ein Schreiben des Bundesministeriums fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und um eine Einladung des bolivianischen Aussenministeriums. Wieder telefoniere ich mit der Dame vom Konsulat. Und nochmal, bis mir ihre schrille Stimme langsam sogar sympathisch wird. Schliesslich schreibe ich ein x-tes nettes Anschreiben, lasse alle Dokumente uebersetzen und beglaubigen.  Einige bangende Wochen vergehen, bis ich schliesslich in einem an eine unbekannte Person adessierten Schreiben meinen Reisepass zurueckbekomme. Darin ist nun ein unscheinbarer Stempel, der den Aufenthalt fuer 30 Tage erlaubt. Fuer die Verlaengerung dieses Visums stehen in La Paz geschaetzte zehn Mitarbeiter in einem Buero bereit, die Antraege bearbeiten, ablehnen oder die Regelungen aendern.

Von La Paz traeume ich zu diesem Zeitpunkt immer noch und bin damit beschaeftigt, meine Habseligkeiten auf die vorgeschrieben Kilos zu begrenzen. Noch weiss ich nicht, ob dieses Gepaeck im Gastland ankommen werden. Oder ob er vielleicht nur wenige Tage nach meiner Ankunft in Bolivien die Nachricht kommt, mein Gepaeck sei leider in Paris gelandet; es werde in wenigen Wochen nachgeschickt.

Flug, Unterkunft und Arbeitsstelle werden von der Organisation geregelt, sodass ich mich nun sorglos von meinen Lieben verabschieden, ins Flugzeug steigen und sich auf mein Jahr freuen kann.

 

Rund um den Globus

In der Kategorie "weltweit" schreiben Menschen aus der Region Esslingen, die sich für einige Zeit im Ausland aufhalten. Sollten Sie Interesse haben, hier ebenfalls über Ihre Erfahrungen im Ausland zu berichten, senden Sie eine Mail an online.redaktion@ez-online.de.

Abschlussbericht ohne Abschluss

Als ich letzte Woche gebeten wurde, einen finalen Eintrag in meinem Blog zu veröffentlichen, hatte ich mir im Vorfeld schon den groben Rahmen überlegt: ich würde das Zieleinlauffoto, auf dem ich mit erhobenen Armen - verschwitzt aber zufrieden - die Ziellinie überquere, und meine Wettkampfzeit einstellen und dann vielleicht noch etwas über die Atmosphäre am Wettkampftag berichten. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Durch einen unglücklichen Unfall im Haushalt am Samstag hatte ich mir eine Verletzung an den Knien zugezogen. Schmerzhaft, aber zum Glück nicht so schlimm, als dass ich zur Bewegungslosigkeit verdonnert gewesen wäre. Nun war ich aber in der dummen Situation, eine Entscheidung treffen zu müssen. Wettkampf – ja oder nein. Nach 500m Probejoggen am Sonntag früh, habe ich mich dann gegen den Wettkampf entschieden. In erster Linie nicht wegen der Schmerzen, sondern weil ich mir die Frage gestellt habe: Warum habe ich bei der Aktion der Eßlinger Zeitung „von 0 auf 10 in 20“ teilgenommen? Ich wollte fitter werden, ich wollte abnehmen und ich wollte mich gesünder und besser fühlen. Das alles habe ich geschafft. Ich weiß, dass ich 10 km ohne Probleme Laufen kann, und ich weiß ebenfalls wo meine Grenzen liegen. Ich betrachte deshalb das Laufen als dauerhafte Möglichkeit mich fit zu halten. Das heißt, Wettkämpfe sind für mich nicht das Ziel, sondern nur eine Möglichkeit von vielen in toller Atmosphäre mit anderen zu laufen. Aber das wichtigste ist mir, dauerhaft beim Sport zu bleiben. Von daher werde ich die Verletzung ausheilen lassen und erst dann wieder km machen – ohne Abschluss …

Die Teilnehmer des Trainingsprogrammes nach dem Lauf
Die Teilnehmer des Trainingsprogrammes nach dem Lauf
(Pascal Tomaszewski zweite Reihe ganz rechts. Foto: Bulgrin)

 

 

 

Das Ziel rückt näher ..

Zu Beginn der Vorbereitungszeit waren es noch viele viele Wochen, Tage und Stunden, die man vor sich hatte. Wenn dann mal eine Trainingseinheit "ausfiel" - kein Problem - es ist ja noch viel Zeit. 

Doch jetzt an unserem letzten Läuferstammtisch wurde uns allen wohl klar, dass die wirklich allerletzte Trainingswoche angefangen hat und was man bis jetzt noch nicht geschafft hat, kann man auch nicht mehr aufholen. Irgendwie erinnert mich das an meine Schulzeit: Alle wussten um die lang angekündigten Arbeiten und dass man deutlich besser fährt, wenn man von Anfang paukt. Dennoch sah man pünktlich zu jeder Arbeit Schüler noch in der kleinen Pause im Gang mit schneeweißen Gesichtern sitzen, jammernd wie man sich den Stoff nur merken soll. Ich gestehe: ich war einer von jenen Weißgesichtern.

Aber mittlerweile sind einige Jahre ins Land gegangen und ich habe dazugelernt. Bei meinem Training war ich fleißig, effektiv und konsequent. Am 21. Juni habe ich dann auch beim Stuttgarter Zeitungslauf die erste Wettkampf-Luft geschnuppert und die 21 km in einer ganz passablen Zeit von 2 Stunden und 5 Minuten bewältigt. Erschöpft aber auch um einige Erfahrungen reicher, kann ich mich jetzt auf den EZ-City-Lauf freuen. Erschreckend ist alleinig die Kenntniss, dass es in meiner Schulzeit auch Klassenarbeiten gab, die ich trotz Lernen versemmelt hatte. Man darf also gespannt sein, welche Zeit ich nächste Woche hier angeben kann. Ich wünsche allen Läufern, dass sie die Ziele, die sie sich gesetzt haben, auch erreichen und mir Platz machen, dass ich meine erreichen kann :-)

Abschied von Michael Jackson

Foto: dpa

Hamburg (dpa) Schon als Fünfjähriger stand Michael Jackson auf der Bühne. Im Laufe seines Lebens soll der Sänger mehr als 750 Millionen Alben verkauft haben, exakte Angaben gibt es nicht. Aber nicht nur seine Musik rückte Jackson ins Rampenlicht.

Seine Schönheitsoperationen machten Schlagzeilen. Es gab Gerüchte über Pädophilie, mysteriös gezeugte Kinder und finanzielle Schwierigkeiten. Einige der Höhen und Tiefen aus dem Leben des «King of Pop»:

Seinen Durchbruch feierte der 21-jährige Jackson 1979 mit dem Album «Off the Wall». Alle Rekorde sprengte «Thriller». Schätzungen zufolge verkaufte sich das Album weltweit mehr als 100 Millionen Mal. Das einstige Mitglied der Jackson Five wurde zum Superstar. Seine Platten «Bad» (1987) und «Dangerous» (1991) gingen zwar auch millionenfach über die Ladentische, an den Erfolg von «Thriller» reichten sie jedoch nicht heran. Das 2001 veröffentlichte Album «Invincible» enttäuschte.

Einen Skandal lösten 1993 die Missbrauchsvorwürfe eines minderjährigen Jungen aus. Er beschuldigte den Superstar, ihn auf seiner Neverland Ranch zum Sex gezwungen zu haben. Eine außergerichtliche millionenschwere Abfindung wendete einen Prozess ab. Kurz nach diesen Ereignissen heiratete der «King of Pop» die Tochter des «King of Rock'n'Roll», Lisa-Marie Presley, und küsste sie publikumswirksam vor einem Millionenpublikum bei den MTV Music Awards. Die Ehe hielt 19 Monate.

Im November 2003 wurde Michael Jackson festgenommen. Erneut hatte ein Junge Jackson beschuldigt, ihn sexuell missbraucht zu haben. Es kam zu einem groß angelegten Prozess, der von einem beispiellosen Medienaufgebot begleitet wurde. Im Juni 2005 wurde der Popstar freigesprochen.

Zuvor hatte Jackson auch mit seinen eigenen Kindern für Aufsehen gesorgt. Die beiden Kinder aus der Ehe mit der Krankenschwester Debbie Rowe zeigte er lange nur verhüllt. Seinen neun Monate alten Sohn Prince Michael II hielt er im November 2002 mit nur einem Arm aus dem Fenster eines Berliner Hotels und löste damit Empörung aus.

Michael Jackson: Was bedeutet er Ihnen? War er Superstar oder nur schriller Exzentriker? Krimineller oder Genie?

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